Bridge over troubled water? Offenbar nicht.

Noch habe auch ich samstags Ruhetag – Zeit, die überraschend eingetroffenen Kommentare freizuschalten (danke für die aufmunternden Worte!) und die letzten vier Tage zusammenzufassen.

 

 

Im Jobcenter, einen halben Tag vor der gefürchteten Arbeitslosigkeit – eher klappte es nicht (konkreter: die letzten dreieinhalb Monate lang) . Aber eine erfahrene Berufsberaterin, die meine bisherige Eigeninitiative anerkennt, bringt es auf den Punkt: „Morgen dürfen Sie feiern! Denn um den Gründungszuschuss für eine selbständige Tätigkeit beantragen zu können, den Sie bei Ihren Plänen fast sicher bekommen würden, müssen Sie mindestens einen Tag lang arbeitslos gewesen sein.“

Hammwer gemacht. Um am nächsten Morgen früh zur „Jagd und Hund“ in den Dortmunder Westfalenhallen aufzubrechen. Mit erwarteten 80.000 Besuchern an sechs Messetagen fast soviel, wie nebenan bei Borussia zu einem einzigen Heimspiel anreisen. Auch für mich ist die Messe sozusagen bekanntes Terrain, um viele mir bekannte Firmen zu besuchen, die neuen Visitenkarten zu verteilen und mögliche Aufträge abzusprechen. Den ersten gibt es direkt auf dem Parkplatz, als ein seit Jahrzehnten bekannter Firmenchef zufällig neben mir parkt. „Was machst du denn jetzt?“ Bin selbständig, seit heute. „Trifft sich gut, wir sitzen am neuen Katalog, kann ich dich mal anrufen wegen neuer Texte?“ Sicher – das fängt gut an.

Nach vier Stunden unter Jägern (ich bin keiner) und Hunden, aber auch vielen interessanten neuen Produkten, die man abseits der Highlights erst auf den zweiten Blick an den Ständen erkennt, reicht es mir. Konzentration weg, Hunger da, und deutlich zu viele Besucher für einen unter Platzangst Leidenden, der sich samt Katalog-gefülltem Rucksack überall hindurchzwängt. Fazit: Vier feste neue Aufträge, die hoffentlich auch fest bleiben, wenn ich sie jetzt im Nachhinein kurz bestätige, und die Erkenntnis, dass auch hier der Appetit beim Essen kommt: einige Ideen haben sich erst im Gespräch entwickelt, und jeder der (ohne Terminabsprache) besuchten Verkaufsleiter und Firmenchefs hat sich trotz Trubel drumherum Zeit genommen. Details und Termine folgen ohnehin später. Aber die Erkenntnis, dass sich jemand mit Branchenkenntnis (erstmals) in freier Wildbahn tummelt und „Kapazitäten frei hat“, wie es so hübsch heißt, scheint zu locken.

Ich bin zufrieden – daher führt die obige Brücke auch über keinen reißenden Fluss, sie steht in Tennessee. Und dass trotz freischaffenden Künstlertums doch noch eine feste Stelle mit interessanter Aufgabe winkt (klärt sich in diesen Tagen), ist kein Widerspruch. Beides ließe sich, so der Plan, gut kombinieren, ohne rund um die Uhr arbeiten zu müssen. Denn das ist das oft drohende Schicksal freier Autoren – manch ausgiebige Story, die mit hohem Aufwand erstellt wurde, wird in der Auftragsredaktion aus Gründen der Aktualität oder der zu vermeidenden Doppelung mit anderen Themen eine oder zwei Ausgaben geschoben, und leider ebenso die bereits eingeplante Honorarzahlung. Ein regelmäßig einkalkulierbarer Basisbetrag, möglichst oberhalb von 40 Prozent des Monatseinkommens, freut auch meine Steuerberaterin, und er beruhigt. Die Redaktionsseite kenne ich ja selbst, mit vollem Verständnis dafür, dass die möglichst spannende Heftmischung vor allem anderen zählt. Und die nötige Muße, einen der Buchpläne (tatsächlich, es sind mehrere!) umzusetzen, erarbeitet man sich auch nur durch „Sponsoring“.

So, offline, staubsaugen, aufräumen und einkaufen gehen…

 

 

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