Immer wieder samstags

Dieser Wochentag ist vielleicht schon eine Institution: Zumindest seit Ende meines Studiums und dem Beginn der beruflichen Laufbahn 1987 *) gehört der Samstag nur mir allein. Einladungen als eifriger Umzugshelfer oder Überstunden sonstiger Art werden (soweit möglich und der Freundschaft nicht schadend) konsequent ignoriert.

Marktabschluss am Samstag
Zuerst gibt’s Cappuccino, aber zum Abschluss des Samstags-Rituals kann es auch schon mal ein Pils sein. Dass ich als Dortmunder Köpi trinken muss, hängt von der Infrastruktur am „Zweitwohnsitz“ Witten ab. Schmeckte aber durchaus – solange es kein Veltins ist, kann man das mal machen.

Der erste Wochenend-Tag (und davon gibt es ja bekanntlich ohnehin nur jeweils zwei) dient meiner Entspannung. Für jemanden, der sich werktags, oft abends und selten sogar in schlaflosen Nächten mit sprachlichen Finessen herumplagen muss, ist eine solche Schaffenspause essentiell, zum Aufladen der gedanklichen Batterien unumgänglich.

Klappt das einmal eine Woche lang nicht, weil eine Messe oder Veranstaltung den Samstagseinsatz erfordert, schleppe ich mich in der Folgewoche geradezu von Tag zu Tag bis zur nächsten Ladestation.  Dabei bedeutet „Entspannung“ nicht unbedingt absolute Ruhe. Zunächst werden die Buchshops inspiziert, stets auf der Suche nach interessanten neuen Titeln und ein kurzer Smalltalk mit dem Buchhändler, man kennt sich mittlerweile. Mindestens ein Buch, auf jeden Fall eine Zeitschrift wird dann eingesackt. BRANDEINS ist hier ein Favorit, wegen der exzellenten Wirtschaftsanalysen darin. Noch immer muss ich leise schmunzeln, weil ein früherer Arbeitgeber das Blatt überhaupt nicht kannte und das Angebot eines B1-Redakteurs für eine (sicher positiv ausfallende) Unternehmensreportage ablehnte. Nee, lieber keine statt einer guten Eigenwerbung… (manche Firmen lernen’s ohnehin nie: zuletzt wurde etwa eine genialen Werbeaktion zur – oder besser: trotz der – ausgefallenen IWA 2021 geplant, aber dann irgendwie vergessen, die Fachmedien rechtzeitig einzuspannen).

Ich sitze samstags gern in irgendwelchen Cafés beim Cappuccino und beobachte die Leute um mich herum. Dabei schwimmen mir ständig neue, durchaus positive wie komplett berufliche Ideen durchs Hirn, die ich umgehend in einem meiner vielen kleinen Notizbücher festhalte. Alle Versuche, diese Ideen auf moderne Weise in irgendeiner App im iPhone festzuhalten, sind im Übrigen kläglich (und gottseidank) gescheitert. Irgendwie verankern sich irgendwelche Gedankenblitze fester im Gehirn, wenn man sie von Hand notiert.

Da ich ab und zu aber, wenn es nötig wäre, doch kein Notizbuch dabei habe, wird ein neues gekauft und direkt eingeweiht. Natürlich muss dann auch ein neuer, nicht zu preiswerter Schreibstift hinzugekauft werden, und daheim gibt es mittlerweile eine ständig wachsende Sammlung von Notizbüchern, in denen stets nur wenige Seiten vollgeschrieben wurden. Die Zahl der Stifte bleibt, dem Universum sei dank, irgendwie gleich, weil die Zuflüsse durch Verluste, Liegenlassen oder in Sakkos zur Kleidersammlung 1:1 ausgeglichen werden.

Wie um mich herumwuselnde Menschen in ihrer Einkaufshektik meine Kreativität anregen können, mag ein Thema für künftige wissenschaftliche Arbeiten anderer Samstagsdenker sein. Ich genieße stattdessen jeden Moment, höre mit halbem Ohr den Gesprächen an den Nachbartischen zu, nehme viele Anregungen auf und halte sie schriftlich fest. Meditativ läuft das fast ab, und das sonst eifrig verwendete Smartphone bleibt meist im Futteral an der Hüfte, samstags muss ich keine E-Mails checken oder Facebook-Kram inhalieren. Die Themen, die ich an solchen Vormittagen andenke, fortsetze und ausarbeite, sind aber durchaus nicht nur privat. Schon oft entwickelten sich aus irgendwelchen Gedankenblitzen komplette Titelgeschichten oder längere, ungewöhnliche Stories für „meine Fachzeitschrift“, auch schon mal die Idee für ein ganzes Buch. Einige solcher Projektskizzen konnten sich schon soweit entwickeln, dass ich mit der Buchstruktur und dann dem Los-Schreiben hätte starten können – leider reicht dazu ein Vormittag oder auch der restliche Samstag nicht, und das Ding blieb vorerst in der Schublade. Aufgeschoben, nicht aufgeschoben. Und nächsten Samstag wird weiter an dieser Idee gefeilt, hoffe ich zumindest…

*) ÜBRIGENS: Der heute ablaufende Monat war der 302. Monat, seit ich bei VISIER im Dezember 1987 eingestiegen bin (auch wenn ich aktuell fast nur für all4shooters, unsere Online-Sparte, arbeite). Die Zeit von März 2013 bis September 2021 habe ich sozusagen für mehrere Praktika in der Industrie, bei zwei Verbänden und in der Selbstständigkeit genutzt. Die gesammelten Erfahrungen in über 30 Berufsjahren sind auch Thema eines geplanten Buchprojekts. Mal sehen, wann das was wird – vielleicht in der Rentenzeit.

Auf eigenen Füßen

…und auf eigene Verantwortung: Seit dem 1. Juni arbeite ich als selbstständiger Texter, Autor und Fotograf im Home Office.
Fachbuecher
Nur ein kleiner Teil der gedruckten Fachbücher, die hinter mir stehen – wortwörtlich.

Also, bis auf die „eigene Kasse“, aus der ich mich jetzt höchst bescheiden bezahle, bleibt es die gleiche Tätigkeit wie (bis dato aber nur nebenberuflich) schon die letzten drei Jahrzehnte.

Dass ich mit mittlerweile 63 Jahren dabei noch mit einem Gründungszuschuss für sechs Monate mit der Option auf neun weitere Monate (dann etwas weniger Geld) starten kann, hatte mich auch überrascht. Aber bei der Agentur für Arbeit ist ein nun selbstständiger Journalist immer noch besser als ein arbeitsloser. Kann auch sein, dass es einfach nur aus einer anderen Kasse gezahlt wird und die Arbeitslosen-Statistik aufhübscht, die während und hoffentlich bald nach Corona in den Keller rauschen dürfte.

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Uijuijui, EU – und nu?

Da denkt man, mit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung DSVGO und der ersten moderaten Abmahnungswelle sei die aktuellste Gefahr gebannt. Da trifft heute die Meldung über ein wahrscheinlich viel drastischeres Urteil des Europäischen Gerichtshof in Luxemburg ein. Die Richter haben entschieden, dass Betreiber von Facebook-Seiten für Facebooks (potentielle) Datenschutzverstöße mithaften. Nicht nur das: Das Urteil gibt offenbar her, ähnlich auch gegen andere Social-Media-Dienste, Blogs, YouTube-Videos usw. vorzugehen.

Das Kommunikationsmittel der Zukunft? Schnurgebunden, ohne Bildrechte (doch, dies: Pixabay), back to the roots…

 

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Fünfmal werden wir noch wach…

…dann ist sozusacke die Kacke am Dampfen – jedenfalls, wenn man per Google im Web nach aktuellen Ansichten zur Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO) sucht. Selten wurde eine derart (vermutlich) weittragende Gesetzesregelung so dilettantisch von der Bundesregierung und den beteiligten Bundesbehörden eingeführt,  während die umliegenden EU-Nationen ihre Umsetzung der DSVGO in nationales Recht mit zahlreichen Anpassungen versehen haben, um zumindest diejenigen, die von Berufs wegen mit dem Datenschutz zu tun haben, vor den rechtlichen Folgen zu schützen. In Deutschland erdreisten sich noch im März die Vertreter des Innenministeriums, bei einer extra anberaumten Tagung des Bundesverband Deutscher Pressesprecher keinen Handlungsbedarf zu sehen, gemäß dem rheinischen Grundgesetz „Et is noch immer joot jejange“.  Der BdP fordert weiterhin (vergeblich) Bund und Länder auf, tätig zu werden, um unter anderem eine drohende Abmahnwelle ab dem 25. Mai zu verhindern oder zumindest abzumildern. Denn während die sogenannte „institutionalisierte Presse“ relativ problemlos auch weiterhin etwa Fotos von Veranstaltungen veröffentlichen darf, sieht das für Unternehmen (also auch Pressesprecher), aber auch für private Fotografen, Vereinschronisten und den Pressewart des Karnickelzuchtvereins wahrscheinlich düster aus.

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Auf zwei Neue!

IWA-Eingang am Eröffnungstag 2017 (UE-Foto)

Unverhofft kommt oft – wie kurz im letzten Beitrag geschildert, lief die branchenwichtigste Messe, die IWA Anfang März in Nürnberg, aus beruflicher Sicht sehr gut für mich.  So gut, dass gleich mehrere Verbände anfragten, ob ich für sie nicht vollzeitlich oder zumindest in Teilzeit die Öffentlichkeitsarbeit übernehmen könnte. Da dies aber am letzten Messetag, am Montag, innerhalb weniger Stunden passierte und mir wie jedem anderen in der Regel nur 40 Wochenstunden zur Verfügung stehen, gab es nach der Heimkehr noch einiges zu organisieren. (jetzt mit Update, ganz unten…)

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Bridge over troubled water? Offenbar nicht.

Noch habe auch ich samstags Ruhetag – Zeit, die überraschend eingetroffenen Kommentare freizuschalten (danke für die aufmunternden Worte!) und die letzten vier Tage zusammenzufassen.

 

 

Im Jobcenter, einen halben Tag vor der gefürchteten Arbeitslosigkeit – eher klappte es nicht (konkreter: die letzten dreieinhalb Monate lang) . Aber eine erfahrene Berufsberaterin, die meine bisherige Eigeninitiative anerkennt, bringt es auf den Punkt: „Morgen dürfen Sie feiern! Denn um den Gründungszuschuss für eine selbständige Tätigkeit beantragen zu können, den Sie bei Ihren Plänen fast sicher bekommen würden, müssen Sie mindestens einen Tag lang arbeitslos gewesen sein.“

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Zweimal werden wir noch wach… (mit Update)

Ein komisches Gefühl. Nach 30 Jahren als angestellter Volontär, Redakteur, Chefredakteur und Pressesprecher beginnt am 1. Februar die nächste Phase – als freiberuflicher Journalist, Fotograf und Ideenschmied.

Was vorher geschah: die Pressestelle (die aus Me, Myself & I bestand) wird zum Februar aufgelöst. *) Die letzten drei Monate als „Geheimnisträger“ seit Oktober bei vollem Gehalt freigestellt, daheim den Schock verdauend und neue Pläne machen, andenken, zweifeln, verwerfen. Allein über diesen Zeitraum lohnt ein Buch, vielleicht später mal. Also die ersten zwei, drei Bewerbungen meines Lebens schreiben. Bisher wurde ich nur abgeworben und musste mich nicht selbst anbieten. Mit 60 wohlgemerkt, auch wenn ich mich selbst deutlich jünger fühle. Und 200 Bewerbungen am Fließband versenden? Ich will doch nur einen Job, nicht so drängeln. Mich gut verkauft im Vorstellungsgespräch, aber zumindest diesmal überqualifiziert und (wäre ich angenommen worden) unterbezahlt.

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