Das geht jetzt sicher viral…

Nee, nicht schon wieder ein Beitrag zu/über Corona – das Thema lässt sich aktuell aber kaum ausblenden. Als Diabetiker über 60 bin ich Angehöriger von gleich zwei sogenannten Risikogruppen, was mir heute schmerzlich bewusst wurde, als ich bei meinem Hausarzt die vom Gesundheitsministerium empfohlene Pneumokokken-Impfung abholen wollte. Das soll die verkomplizierende Gefahr einer möglichen Lungenentzündung mindern. Denkste – der Impfstoff Pneumovax23 hat nicht nur am Ort, sondern bundesweit und sogar weltweit Lieferengpässe. Nun stehe ich auf einer Warteliste beim Apotheker meines Vertrauens, der mir das erforderliche Rezept gleich abnahm: „Es gibt nämlich Rezepttouristen, die das Medikament bei mir, aber auch bei 5-6 anderen Apotheken bestellen…“

Andere Apotheken werden nur beliefert, wenn sie 50 (fünfzig!) Ampullen ordern, und das kann bei den Bestellungen halt ein wenig dauern. Anfang Mai sei frühestens mit Neulieferungen zu rechnen, heißt es heute in der Tagesschau. Corona, das zeigt dieses Beispiel, überlagert nun mal aktuell alle unsere Lebensbereiche, und das bietet wiederum die Gelegenheit, mal darüber nachzuhirnen, wo denn wirklich die wichtigen Dinge des Lebens liegen und was man in einer solchen Lage einfach mal hintenan stellen könnte.

Dass ich heute offiziell den letzten angestellten Arbeitstag abgeschlossen habe und mich nun meinem Businessplan für die zwangsläufige Selbständigkeit widmen kann, passt ganz ins Bild – Home Office ist ja das Gebot der Stunde. Und was kann ich besser tun in der empfohlenen Phase „alle Sozialkontakte abbrechen“, als im Büro wild zu tippen wie einst Keith Emerson am Keybord (falls das jemandem noch etwas sagt)?

Aufträge hätte ich schon einige, momentan beschäftigt mich aber die Büro-Kratie am meisten: Mögliche Einkünfte, Aufwandschätzungen und die Zeit für die Akquise neuer „Kunden“ kalkulieren, und das alles auf dem Taschenrechner im iPhone. Zudem ist meine Steuerberaterin gerade jetzt im Urlaub und kehrt erst nächste Woche zurück – hoffentlich war sie weder in Italien noch in China. In meiner Küche und in der Vorratskammer stapeln sich derweil die Konservendosen, Nudeltüten und bis 2023 haltbare Packungen mit Pfanni-Bratkartoffeln. Wer will schon darben in einer solchen Krise, nur Klopapier kaufe ich mit seltener Gelassenheit nur in handelsüblichen, einzelnen Packungen. Es ist ja schließlich nicht der Norovirus, sondern Corona im Umlauf. Und sollte alles aus dem Ruder laufen und der Weltuntergang drohen, denkt hoffentlich der letzte Mensch noch daran, die Bewohner des Big-Brother-Containers auf dem Kölner Studiogelände wieder herauszulassen. Die haben ja bisher noch nichts vom typischen deutschen Organisations-Chaos mitbekommen.

Wir lesen uns demnächst wieder. Nehme ich mal an…