Oje, du Fröhliche…

Man könnte meinen, es sei noch Herbst: Rin inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln, so wie der Westfale treffend Situationen beschreibt, in denen keine klare Linie, sondern sich aufhebende Anordnungen vorherrschen: Corona und Weihnachten, eine (fast) unendliche Geschichte.

 

Einmal werden wir noch wach – dann, ja dann ist Weihnachten 2020 da. Sozusagen Weihnachten 2.0, denn in dieser Form hat es die Menschheit (ja, so verwegen darf man es formulieren) noch nicht erlebt. Corona hat uns im Griff, und ob die diversen in Windeseile entwickelten Impfstoffe rechtzeitig in unsere Blutbahnen geraten, wissen wir noch nicht. Ohnehin wird es nach dem Motto laufen „Blumenkohl ist heute alle, nehmen Sie doch stattdessen Fisch, der sättigt auch!“ – die durchaus unterschiedlichen Ansätze der verschiedenen Impfstoff-Entwickler führen ja dazu, dass unsereins nicht nur entscheiden muss, ob er geimpft werden will oder nicht, sondern es auch nicht feststeht, welcher Impfstoff nun „gerade im Angebot“ sein wird, wenn man an der Reihe ist.

Ich jedenfalls will. Also, geimpft werden, egal mit welchem Stöffchen, sofern es nach transparenten Kriterien zugelassen ist. Das steht für mich schon lange fest, weil ich trotz der von vielen Impfgegnern herbeigesehnten Gewitterwolken die Gründe für die verkürzte Entwicklungszeit nachvollziehen kann und aus dem Bauch heraus mein Gottvertrauen auf die Chancen setze, die ein Impfstoff bieten könnte. An eine Herdenimmunität glaube ich nicht so recht, eher daran, dass ein geimpfter Mensch sich weniger rasch ansteckt und „es“ vielleicht auch nicht mehr so schnell an andere Personen weiterverbreitet.

Wenn die Impfstoffe vielleicht als diskrete Beigabe auch etwas gesunden Menschenverstand und weniger Guru-Gläubigkeit mit sich tragen würden, wäre das auch nicht schlecht. Mir geht das bundes- und teilweise weltweite Expertentum der Virologen etwas auf den Keks. Alle die DrostenKekuléStreecks dieser Welt und der rheinische Lauterbach an sich mögen ja vom Cassandra-Gen gestreift worden sein und in der einen oder anderen Form jeweils ein wenig recht haben. Die Verantwortung, diese Ansichten aber an die Politik oder, schlimmer, an die BILD-Redaktion weiterzugeben – die möchte ich allerdings nicht haben. Wer zu schwarz malt, wird schnell beiseitegedrängt, wer dauernd Licht am Ende des Tunnels sieht, könnte auch vor einen nahenden Schnellzug laufen. Würden diese Experten die wöchentlichen Lottozahlen vorhersagen wollen, würden ihnen deutlich weniger Leute glauben (ein paar tausend natürlich schon). Aber so hofft der zuhörende Laie, dass ausgerechnet derjenige Virologe, Epidemiologe, dem man nach langem Zögern vertraut, die richtigen Schlüsse gezogen hat. Auf Tierärzte, Orthopäden, Kinderärzte oder ehemalige Gesundheitsamtsmitarbeiter setze ich da weniger, da habt ihr Pech.

Sie merken schon, ich eiere mit meinem philosophischen Statement ebenso inhaltsleer herum – sollten Sie das aber erkannt haben, besteht noch Hoffnung: Dann lassen Sie sich vielleicht auch nicht von jeder neuen Wendung dieser Corona-Horrorgeschichte umwerfen und in Depression versetzen. Ich wünsche Ihnen daher friedliche und vor allem frohe Weihnachten – wer den Sinn der Weihnacht als Christ begriffen hat (und das nicht nur als ehemals religiöse Pflichtveranstaltung mit Kaufzwang und freien Tagen sieht), der wird auch diese in unseren Lebzeiten weltweit einmalige Krise überstehen. Wetten?